Gespräch mit Gabriele Warminski-Leitheußer

Gabriele Warminski-Leitheußer

Noch nie hat ein/e Kultusminister/in in den ersten 100 Tagen so dicke Bretter angebohrt:

  • auf Wunsch Wiedereinführung von G9!
  • Gemeinschaftsschulen bis Klasse 10!
  • Kein Sitzenbleiben mehr!
  • Mögliche Änderung der Sommerferien!
  • Veränderte Lehrerausbildung!
  • Verzicht auf Englisch in Klasse 1+2!
  • Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung!

Baden-Württemberg gilt als eines der erfolgreichsten Länder im Bildungsbereich. Warum also diese schwer wiegenden Eingriffe?

Das Plakat

kultusmin

YouTube-Videos der Veranstaltung

Eintrag im Goldenen Buch

Ganz herzlichen Dank für das anregende und lebendige Gespräch!
„Die beiden Kandidaten” haben ihre Sache sehr gut gemacht.
Insgesamt ist mir um die Zukunft der Goldberger nicht bange!

Herzlichst Gabriele Warminski-Leitheußer(28.9.2011)

Fotogalerie

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Pressestimmen

Sindelfinger Zeitung: 30.09.2011, von Peter Bausch

Auf Konfrontation beim Sitzenbleiben

Wenn die Eltern von Gabriele Warminski-Leitheußer auf die Grundschullehrer gehört hätten, wäre ihre Tochter nie auf das Gymnasium gegangen. Die seit Mai amtierende Kultusministerin von Baden-Württemberg setzt sich für Chancengleichheit ein, will aber nicht radikal, sondern mit Samthandschuhen das Bildungssystem des Landes verändern.

Gabriele Warminski-Leitheußer, Jahrgang 1963, lässt sich von Pia Limmeroth und Konrad Barth nicht aus der Ruhe bringen. Die Sozialdemokratin beantwortet alle Fragen der beiden Schüler, die das Gespräch in der Reihe „Goldberg aktuell” unter den Titel „Hauptsache: anders!?” gestellt hatten und bekommt in der voll besetzten Aula des Sindelfinger Gymnasiums oft Szenenapplaus.

„Was funktioniert, sollte man nicht ändern”, gibt Gabriele Warminski-Leitheußer als Devise der grün-roten Landesregierung aus. Ausdrücklich würdigt die Kultusministerin die Arbeit ihrer Vorgänger, die „an der Spitze grandiose Ergebnisse” eingefahren haben: „Aber es gibt zu viele Kinder, die auf der Strecke bleiben.”

Die Ministerin, die von 2008 ihre Heimat im Ruhrpott verlassen hatte, um in Mannheim Bürgermeisterin für Bildung, Jugend, Sport und Gesundheit zu werden, macht in Baden-Württemberg zwei Gründe für das Scheitern von Kindern im aktuellen Bildungssystem aus. Überrascht hat sie der sehr hohe Migrantenanteil im Südwesten: „Wir haben hier viele Kinder mit hohem Förderungsbedarf.”

Die verpflichtende Grundschulempfehlung sieht sie nicht nur wegen ihrer persönlichen Erfahrung als Bremse. Gabriele Warminski-Leitheußer verweist auf ihre Erfahrungen in Mannheim: „Im vorletzten Abiturjahrgang hatten 56 Prozent der Schüler keine Empfehlung fürs Gymnasium. Die ursprüngliche Einstufung nach der vierten Klasse ist also offenbar zu früh gekommen.”

Die neue Regierung in Baden-Württemberg will zudem die Entscheidung über die Schulkarriere der Kinder den Eltern geben: „Auch Lehrer treffen nicht immer die richtige Entscheidung. Eltern tragen auf jeden Fall die Verantwortung und wissen in der Regel, was für ihr Kind gut ist.”

Als Lösung für die Probleme im baden-württembergischen Bildungssystem sieht Gabriele Warminski-Leitheußer die Gemeinschaftsschule und lässt sich nicht von der Umfrage am Goldberg-Gymnasium abschrecken, wo sich laut Pia Limmeroth und Konrad Barth 89 Prozent der Schüler gegen die Gemeinschaftsschule ausgesprochen haben. Die 60 Sekunden Zeit, die das Goldberg-Duo der Ministerin gegeben haben, um ihr Plädoyer zu halten, reichten nicht.

Gabriele Warminski-Leitheußer geht davon aus, dass die Grundschulempfehlung einfach zu früh komme und setzt auf individuelle Förderung: „Jeder Mensch kann etwas. Es geht nicht darum, dass alle Hochschulprofessoren werden, sondern darum, dass alle die gleichen Chancen haben.”

Szenenapplaus wegen G8

Szenenapplaus bekommt die SPD-Politikerin für ihre „persönliche Meinung”, dass sie das achtjährige Gymnasium für falsch hält: „Das kann für 14 Prozent der Schüler richtig sein, aber für die große Mehrheit geht dadurch wertvolle Lernzeit verloren. Es geht doch auch darum, sich mit dem Luxus von Lateinunterricht beschäftigen zu können, wenn es Spaß macht.”

Abschaffen will die Ministerin das Turbo-Gymnasium aber trotzdem nicht: „Ich habe gemerkt, dass in Biberach oder Freiburg niemand Probleme mit dem achtjährigen Zug hat, während in Mannheim die allermeisten Eltern, Kinder und Lehrer für das alte neunjährige Gymnasium sind.” Zumindest die Goldberg-Schüler stellen sich auf die Seite von Gabriele Warminski-Leitheußer: Nach einer Umfrage wollen 74 Prozent der Gymnasiasten wieder neun Jahre Zeit haben, um das Abitur zu machen.

Auf Konfrontationskurs sind Goldberg-Schüler und Ministerin allerdings, wenn es ums Sitzenbleiben geht. Gabriele Warminski-Leitheußer geht davon aus, dass Sitzenbleiben gar nicht viel bringe: „Mir geht es nicht darum, einen Schlendrian einzuführen, sondern individuelle Förderung zu ermöglichen.” Wenn 89 Prozent der Goldberg-Gymnasiasten gegen das Abschaffen der Sitzenbleiber-Regel sind, bleibt die Kultusministerin bei ihrer Devise „Von unten wachsen lassen, statt von oben zu verordnen” und räumt ein: „Dann dürfen Sie hier eben weiter sitzen bleiben, wenn Sie das wollen.”

Vertrauen zu Pädagogen

Wenn Pia Limmeroth fragt, ob die Lehrer, die schon seit Jahrzehnten an der Schule sind, überhaupt noch Veränderungen mittragen würden, zeigt die Ministerin Mitleid mit dem Kollegium: „Die Lehrer haben es hier anscheinend ja schwer.” Aber Gabriele Warminski-Leitheußer hat Vertrauen in den Fähigkeiten der Pädagogen: „Sie sind viel weiter, als wir es manchmal glauben. Aber natürlich war individuelle Förderung der Schüler früher nicht Gegenstand der Ausbildung. Es gibt Tendenzen, sich aus der starren Schulart zu lösen. Wir wollen auf jeden Fall die Lehrer-Fortbildung weiter entwickeln.” Es gibt wieder Szenen-Beifall.

Applaus erntet die Ministerin auf dem Goldberg auch für ihre Absicht, die Unterrichtsversorgung an die erste Stelle zu setzen, bevor die Ganztagsschulen weiter ausgebaut werden sollen: „Wir können nicht alles auf einmal finanzieren, was wir uns vorgenommen haben. Aber auf keinem Finanzmarkt bekommt man eine bessere Rendite als in der Bildung.”

Wenn die Eltern von Gabriele Warminski-Leitheußer auf die Grundschullehrer gehört hätten, wäre ihre Tochter nie auf das Gymnasium gegangen. Die seit Mai amtierende Kultusministerin von Baden-Württemberg setzt sich für Chancengleichheit ein, will aber nicht radikal, sondern mit Samthandschuhen das Bildungssystem des Landes verändern.

Gabriele Warminski-Leitheußer, Jahrgang 1963, lässt sich von Pia Limmeroth und Konrad Barth nicht aus der Ruhe bringen. Die Sozialdemokratin beantwortet alle Fragen der beiden Schüler, die das Gespräch in der Reihe „Goldberg aktuell” unter den Titel „Hauptsache: anders!?” gestellt hatten und bekommt in der voll besetzten Aula des Sindelfinger Gymnasiums oft Szenenapplaus.

„Was funktioniert, sollte man nicht ändern”, gibt Gabriele Warminski-Leitheußer als Devise der grün-roten Landesregierung aus. Ausdrücklich würdigt die Kultusministerin die Arbeit ihrer Vorgänger, die „an der Spitze grandiose Ergebnisse” eingefahren haben: „Aber es gibt zu viele Kinder, die auf der Strecke bleiben.”

Die Ministerin, die von 2008 ihre Heimat im Ruhrpott verlassen hatte, um in Mannheim Bürgermeisterin für Bildung, Jugend, Sport und Gesundheit zu werden, macht in Baden-Württemberg zwei Gründe für das Scheitern von Kindern im aktuellen Bildungssystem aus. Überrascht hat sie der sehr hohe Migrantenanteil im Südwesten: „Wir haben hier viele Kinder mit hohem Förderungsbedarf.”

Die verpflichtende Grundschulempfehlung sieht sie nicht nur wegen ihrer persönlichen Erfahrung als Bremse. Gabriele Warminski-Leitheußer verweist auf ihre Erfahrungen in Mannheim: „Im vorletzten Abiturjahrgang hatten 56 Prozent der Schüler keine Empfehlung fürs Gymnasium. Die ursprüngliche Einstufung nach der vierten Klasse ist also offenbar zu früh gekommen.”

Die neue Regierung in Baden-Württemberg will zudem die Entscheidung über die Schulkarriere der Kinder den Eltern geben: „Auch Lehrer treffen nicht immer die richtige Entscheidung. Eltern tragen auf jeden Fall die Verantwortung und wissen in der Regel, was für ihr Kind gut ist.”

Als Lösung für die Probleme im baden-württembergischen Bildungssystem sieht Gabriele Warminski-Leitheußer die Gemeinschaftsschule und lässt sich nicht von der Umfrage am Goldberg-Gymnasium abschrecken, wo sich laut Pia Limmeroth und Konrad Barth 89 Prozent der Schüler gegen die Gemeinschaftsschule ausgesprochen haben. Die 60 Sekunden Zeit, die das Goldberg-Duo der Ministerin gegeben haben, um ihr Plädoyer zu halten, reichten nicht.

Gabriele Warminski-Leitheußer geht davon aus, dass die Grundschulempfehlung einfach zu früh komme und setzt auf individuelle Förderung: „Jeder Mensch kann etwas. Es geht nicht darum, dass alle Hochschulprofessoren werden, sondern darum, dass alle die gleichen Chancen haben.”

Szenenapplaus wegen G 8

Szenenapplaus bekommt die SPD-Politikerin für ihre „persönliche Meinung”, dass sie das achtjährige Gymnasium für falsch hält: „Das kann für 14 Prozent der Schüler richtig sein, aber für die große Mehrheit geht dadurch wertvolle Lernzeit verloren. Es geht doch auch darum, sich mit dem Luxus von Lateinunterricht beschäftigen zu können, wenn es Spaß macht.”

Abschaffen will die Ministerin das Turbo-Gymnasium aber trotzdem nicht: „Ich habe gemerkt, dass in Biberach oder Freiburg niemand Probleme mit dem achtjährigen Zug hat, während in Mannheim die allermeisten Eltern, Kinder und Lehrer für das alte neunjährige Gymnasium sind.” Zumindest die Goldberg-Schüler stellen sich auf die Seite von Gabriele Warminski-Leitheußer: Nach einer Umfrage wollen 74 Prozent der Gymnasiasten wieder neun Jahre Zeit haben, um das Abitur zu machen.

Auf Konfrontationskurs sind Goldberg-Schüler und Ministerin allerdings, wenn es ums Sitzenbleiben geht. Gabriele Warminski-Leitheußer geht davon aus, dass Sitzenbleiben gar nicht viel bringe: „Mir geht es nicht darum, einen Schlendrian einzuführen, sondern individuelle Förderung zu ermöglichen.” Wenn 89 Prozent der Goldberg-Gymnasiasten gegen das Abschaffen der Sitzenbleiber-Regel sind, bleibt die Kultusministerin bei ihrer Devise „Von unten wachsen lassen, statt von oben zu verordnen” und räumt ein: „Dann dürfen Sie hier eben weiter sitzen bleiben, wenn Sie das wollen.”

Vertrauen zu Pädagogen

Wenn Pia Limmeroth fragt, ob die Lehrer, die schon seit Jahrzehnten an der Schule sind, überhaupt noch Veränderungen mittragen würden, zeigt die Ministerin Mitleid mit dem Kollegium: „Die Lehrer haben es hier anscheinend ja schwer.” Aber Gabriele Warminski-Leitheußer hat Vertrauen in den Fähigkeiten der Pädagogen: „Sie sind viel weiter, als wir es manchmal glauben. Aber natürlich war individuelle Förderung der Schüler früher nicht Gegenstand der Ausbildung. Es gibt Tendenzen, sich aus der starren Schulart zu lösen. Wir wollen auf jeden Fall die Lehrer-Fortbildung weiter entwickeln.” Es gibt wieder Szenen-Beifall.

Applaus erntet die Ministerin auf dem Goldberg auch für ihre Absicht, die Unterrichtsversorgung an die erste Stelle zu setzen, bevor die Ganztagsschulen weiter ausgebaut werden sollen: „Wir können nicht alles auf einmal finanzieren, was wir uns vorgenommen haben. Aber auf keinem Finanzmarkt bekommt man eine bessere Rendite als in der Bildung.”

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