Alexander Smoltczyk

Sind wir Papst?

Alexander Smoltczyk

Sein Abitur machte er 1978 am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen, danach lebte und arbeitete er in Berlin für verschiedene Zeitschriften, darunter die taz und GEO.
Heute lebt er in Rom und schreibt für den Spiegel über den Vatikanstaat und Italiens Politik.
Er leitete die Rubrik „Uupps! - et orbi” auf Spiegel Online.
2008 veröffentlichte er beim Heyne Verlag sein Buch „Vatikanistan”, das vom Leben im Vatikan berichtet.
1995 bekam er den Egon-Erwin-Kisch Preis für seine Arbeit „Das Loch in Mitte” in der Wochenpost und 2007 den Henri-Nannen Preis für seinen Beitrag „Der Fehlbare” über Benedikt XVI im Spiegel.

Das Plakat

Plakat:smoltczyk

YouTube-Videos der Veranstaltung

Fotogalerie

Bilder:smoltczyk Bilder:smoltczyk
Bilder:smoltczyk Bilder:smoltczyk
Bilder:smoltczyk Bilder:smoltczyk
Bilder:smoltczyk Bilder:smoltczyk
Bilder:smoltczyk Bilder:smoltczyk

Pressestimmen

Sindelfinger/Böblinger Zeitung: 25.03.2009, von Tim Schwaiker

„Benedikt ist ein Schrebergärtner"

Morgens um sieben Uhr öffnet die Schweizer Garde jeden Tag das Bronzetor zum Vatikan. Wirklichen Zugang zum Kirchenstaat haben aber selbst Menschen wie Alexander Smoltczyk nur selten. Und der kann von seiner Wohnung im siebten Stock „direkt das Badezimmer des Papstes sehen”, wie er den bestens vorbereiteten Zwölftklässlern Larissa Hollaender und Arion Tomaras in der rappelvollen Aula des Goldberg-Gymnasiums erzählt.

Seit 2005 berichtet der 1958 geborene Journalist, der sich bei der SZ/BZ die ersten Sporen verdiente und 1978 am Goldberg-Gymnasium Abitur machte, für den „Spiegel” aus Italien und dem Vatikan. Doch erst, seit seine Tochter die Schweizer Schule besuche und er selbst einmal in der Woche den Busfahrer für die Kinder der Schweizer Gardisten gebe, erfahre er Geschichten aus dem Alltag der Menschen hinter den dicken Mauern des Kirchenstaats.

„Aufgeklärter Goldberg-Schüler”

Doch bei allem Spaß an Anekdoten rund um den Mythos der ältesten Institution der Geschichte wollen die Schüler und das Publikum natürlich wissen, was Benedikt XVI. dazu bewogen haben könnte, kürzlich die Exkommunikation von vier Pius-Brüdern, darunter der Holocaust-Leugner Richard Williamson, aufzuheben.

Wer nun die volle Breitseite des nach eigenen Angaben „säkularen Protestanten und aufgeklärten Goldberg-Schülers” Smoltczyk gegen den Papst erwartet hatte, wird enttäuscht. „Benedikt hat mit dieser Entscheidung die Hand ausgestreckt”, sagt der Autor des Spiegel-Online-Blogs „Uups! et orbi” und des Buchs „Vaticanistan”. Die Exkommunikation sei zwar die härteste Strafe des Kirchenrechts, beruhe aber nicht auf moralischen Entscheidungen.

Der Papst leide freilich seit seiner berühmt-berüchtigten Vorlesung vom 12. September 2006 am „Regensburg-Syndrom”: „Er will die große Geste und erreicht das Gegenteil.” Das gelte für den Umgang mit den Pius-Brüdern ebenso wie für das Kondom-Zitat der Afrika-Reise, die „völlig in die Hose gegangen” sei. Nicht zuletzt auch, weil man im Vatikan keinen Wert auf PR lege: „Benedikt kann überhaupt nicht abschätzen, was seine Sätze in einer globalen Mediengesellschaft auslösen können”, sagt Smoltczyk: „Er steht wie ein staunendes Kind vor dem Scherbenhaufen, den er angerichtet hat.”

Joseph Ratzinger habe als Chef der Glaubenskongregation in den 80er Jahren selbst mit Bischof Levebre die Verhandlungen geführt, letztlich ohne Erfolg. „Das hat er immer als persönliche Niederlage empfunden”, sagt Smoltczyk. Diese Niederlage zu revidieren sei deshalb sicher die persönliche Entscheidung des Papstes gewesen, nicht aber der Zeitpunkt im historisch durch den Auschwitz-Gedenktag und den Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils vorbelasteten Monats Februar. Smoltczyk: „Das war eine schwere Panne.”

Eine Panne, von der sich Benedikt XVI. so schnell nicht erholen wird, glaubt Smoltczyk. „Ist das Vertrauen der Katholiken zum Papst endgültig zerstört?”, fragt Larissa Hollaender. „Ja, ich glaube, der Zug ist für ihn abgefahren”, sagt Smoltczyk. Das gelte aber vor allem für die deutschsprachigen Länder, in Italien etwa sei die Williamson-Affäre vielen Medien nur eine Kurzmeldung wert gewesen.

„Pannen-Pontifikat”

Trotzdem: Der Aufruhr um die geplante Ernennung des Erzkonservativen Gerhard Wagner zum Linzer Weihbischof und die Empörung über den Bischof der brasilianischen Diözese Recife, der sich gegen die Abtreibung bei einem neunjährigen, mehrfach vergewaltigten Mädchen stellte sind aus Sicht von Alexander Smoltczyk ebenso wie die Einführung des katholischen Freitagsgebets weitere Meilensteine in einer Negativ-Serie. Würde Benedikt XVI. morgen abtreten, sagt Smoltczyk, würde seine Amtszeit als „Pannen-Pontifikat” haften bleiben: „Das ist tragisch, aber daran ist er selbst schuld.”

Dabei habe er den spröden Intellektuellen Joseph Ratzinger vor allem zu Beginn seiner Amtszeit bewundert wegen seines „großen abendländischen Wissens”. Heute sei er von ihm enttäuscht und schließt sich damit dem Tenor einer Video-Umfrage an, die Goldberg-Schüler auf dem Sindelfinger Marktplatz gemacht haben. „Ich sehe zunehmend, dass er mutlos geworden ist, ich habe anfangs mehr Kühnheit von ihm erwartet”, sagt Alexander Smoltczyk und formuliert in klassischem Spiegel-Jargon: „Benedikt hat nach seiner Wahl gesagt, er sei ein Arbeiter im Weingarten des Herrn. Er ist wohl doch eher ein Schrebergärtner.”

Der Papst sei abseits des Tagesgeschäfts auf „eine merkwürdige Weise sehr einsam. Seine Freunde sind die Bücher.” Einen engen persönlichen Vertrauten habe Benedikt XVI. nicht: „Vielleicht seinen Bruder Georg. Aber der ist selten da und auch schon sehr hinfällig.”

Die Hoffnung auf einen Kurswechsel hat Smoltczyk aufgegeben: „Da müssen wir wohl auf den nächsten Papst warten.”

Dr. Harald Braun Dr. Helmut Ranacher Dr. Herbert Honsowitz
Berthold Huber Hans-Werner Busch Andreas von Buelow
Goldberg aktuell-Logo
Klaus Pflieger Clemens Binninger Dr. Joachim Walter
Daoud Nassar Heinz Fromm Uwe Hück
Jürgen Rose Dr. Dieter Hundt Berthold Huber
Alexander Smoltczyk Beate Bube Hartmut von Hentig
Dr. Rüdiger Grube Boris Palmer Martin Schulz
Rudolf Dreßler Hermann Scheer Peter Bofinger
Oswald Metzger Jens Lehmann Rudolf Bosch
Volker Schebesta Mordechai Ciechanower Wolfgang Welsch
Marianne Birthler Sylvia Kotting-Uhl Hans Joseph Zimmer
Cacau Herbert Honsowitz Gabriele Warminski-Leitheußer
Dr. Volker Kefer Winfried Hermann Winfried Kretschmann

Wir danken herzlich für die Unterstützung bei unseren Plakaten!