Streitgespräch zwischen Berthold Huber und Dr. Dieter Hundt

Hilflos in der Krise?

Berthold Huber

Bild:Berthold Huber Bild:Dr. Dieter Hundt

Dr. Dieter Hundt

Berthold Huber wurde am 15. Februar 1950 in Ulm geboren.
Nach seinem Abitur machte er eine Lehre zum Werkzeugmacher. Schon zu dieser Zeit trat er der Industriegewerkschaft Metall (IMG) bei. 1978 wurde er Betriebsrats- und Gesamtbetriebsvorsitzender der IMG. Anschließend begann er, Geschichte, Philosophie und Politik zu studieren, brach das Studium jedoch kurz vor seinem Abschluß ab, um die Möglichkeit einer hauptberuflichen Karriere in der IMG wahrzunehmen, die sich ihm 1990 im Zuge der Deutschen Einheit eröffnet hatte.
Nachdem er 2003 zum Zweiten Vorsitzenden gewählt wurde, ist er seit 2007 Erster Vorsitzender der IMG.
Dieter Hundt wurde am 30. September 1938 in Eßlingen am Neckar geboren.
Nach dem Abitur nahm er ein Maschinenbaustudium in Zürich auf, das er mit dem Diplom abschloß und anschließend promovierte. Von 1988 bis 1996 war er Vorsitzender desVerbands der Metallindustrie Baden-Württemberg (VMI) und von 1988 bis 1997 Vizepräsident des Gesamtverbands der metallindustriellen Arbeitgeberverbände.
Nach führenden Funktionen bei baden-württembergischen Arbeitgebervereinigungen stellt Dieter Hundt seit Jahresende 1996 den Präsidenten der "Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände" (BDA). In dieser Funktion setzt sich Hundt für eine Sozial- und Arbeitsmarkreform ein.

Das Plakat

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Pressestimmen

Sindelfinger/Böblinger Zeitung: 13.02.2009 von Karlheinz Reichert

Flucht und Segen der Zeitarbeit

IG Metall-Chef Berthold Huber und Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt standen gestern Abend im Sindelfinger Goldberg-Gymnasium nur ein paar Meter von einander entfernt. Bei Themen wie Steuerentlastung, Mindestlohn und Zeitarbeit, so zeigte sich beim Streitgespräch im Rahmen von Goldberg Aktuell, sind die beiden aber meilenweit auseinander.

Bei der Frage der beiden Schüler Jakob Lehners und Enrico Farinato, ob die Automobilindustrie in eine Sackgasse steuere, waren sich Huber und Hundt einig, dass die Abwrackprämie richtig sei, und Huber betonte, dass die Bundesregierung mit ihren Konjunkturpaketen die richtige Richtung eingeschlagen habe („nur die Reichweite wird nicht ausreichen”). Doch die Antwort auf die Frage blieben sie letztlich schuldig.

Dafür stritten sie auf einer Nebenstraße, in die sie von den Schülern geleitet worden waren. Der Staat übernimmt bei Kurzarbeitern die Hälfte der Sozialabgaben. Und er begleicht für die Arbeitgeber auch die andere Hälfte, wenn diese ihre Unterbeschäftigten nicht nach Hause schicken, sondern weiterqualifizieren.

Da Deutschland in diesem Punkt Entwicklungsland sei und es nur über die Weiterbildung eine gute Zukunft geben könne, sei diese Koppelung - insbesondere bei kleineren und mittleren Unternehmen - genau richtig, betonte der Gewerkschafter. Der Arbeitgeber siehts anders: Die Verquickung führe zu Mitnahmeeffekten und nutzlosen Schulungen. Da sei es sinnvoller, wenn irgendwo Geld übrig sei, dieses unter den Kurzarbeitern zu verteilen, meinte Dr. Hundt.

Beide gegen Hungerlöhne

Nach einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) befürworten 80 Prozent der Deutschen Mindestlöhne. Auch der oberste deutsche Metaller. Berthold Huber: „Es ist eine Frage von Moral und Anstand wie man mit Leuten umgeht, die jeden Tag zur Arbeit gehen.” Hungerlöhne, von denen man nicht leben könne, seien nicht akzeptabel.

In diesem letzten Punkt ist Dr. Hundt mit ihm einig. Er sagte gestern Abend: „Auch ich lehne Hungerlöhne ab. Um diese zu verhindern, haben wir Gesetze. Die reichen aus.” Mindestlöhne lehnt er dagegen grundsätzlich ab. Die würden nur zu Wettbewerbsverzerrungen führen. In der Briefzustellung habe dies über 6000 Arbeitsplätze gekostet. In Frankreich sei die hohe Jugendarbeitslosigkeit auf die Mindestlohnregelungen zurückzuführen.

Außerdem hält der Arbeitgeberpräsident die Einführung von Mindestlöhnen für einen Anschlag der Politik auf die Tarifautonomie. Da hielt ihm Berthold Huber entgegen: Nicht alle Arbeitgeber seien so tariftreu wie er. Da hätten sich viele längst aus dem Staub gemacht und würden versuchen, mit Lohndumping ihre Schwächen in der Produktivität zu verschleiern.

Zeitarbeit ist für Huber nichts besseres. Da gehe es längst nicht mehr darum, wie Dr. Hundt betonte, Produktionsspitzen mit kurzfristig einsetzbarem Personal zu bewältigen. Wenn in Betrieben zu über 50 Prozent Zeitarbeiter beschäftigt würden, dann gehe es nur darum, die Löhne zu drücken. Zeitarbeitnehmer würden oft nicht einmal halb so viel wie die Stammbelegschaft bekommen. Da gelte deshalb die alte Forderung der IG Metall: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

„Der Markt ist blind”

Bei den Steuerentlastungen forderte Berthold Huber, dass diejenigen, die wenig verdienen, stärker profitieren müssten. Auf Dauer dürfe sich der Staat auch den von 48 auf 42 Prozent abgesenkten Spitzensteuersatz nicht leisten, wenn er seine Aufgaben – vor allem in Sachen Infrastruktur und Bildung – erledigen wolle. Er forderte auch, dass der Staat sich nach der Krise nicht mehr aus der Wirtschaft zurückziehen dürfe. Nur so könne die nächste Krise verhindert werden.

Für Dr. Hundt eine klassische Fehleinschätzung: Der Staat sei weder der bessere Unternehmer noch der bessere Banker. Er warnte vielmehr vor einer „USA-Hörigkeit”. Mit dem Blick auf das alte Handelsgesetzbuch statt auf amerikanische Bilanzierungsrichtlinien lasse sich mancher Schaden verhindern.

Im übrigen habe die deutsche Wirtschaft in den drei Jahren vor der Krise bewiesen, dass sie mit den richtigen Rahmenbedingungen sehr erfolgreich sein könne. Deshalb müsse der Staat nach der Krise Bürokratie abbauen. Für Huber wäre das der falsche Weg: „Der Staat braucht Bürokratie, denn der Markt ist blind für die Aufgaben, die der Staat hat.”

Dr. Harald Braun Dr. Helmut Ranacher Dr. Herbert Honsowitz
Berthold Huber Hans-Werner Busch Andreas von Buelow
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Jürgen Rose Dr. Dieter Hundt Berthold Huber
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