Gespräch mit Herbert Honsowitz

Gottesstaat oder Gottes Diktatur?

Herbert Honsowitz

7. Juli 1944 Geburt in Marienbad
1966 Abitur, danach Studium der Geschichte, Germanistik und Kultursoziologie
1975 Promotion zum Doktor der Philosophie
1976 - 1992 Arbeit für das Auswärtigen Amt in In- und Ausland, unter anderem in Teheran (Iran), Tel Aviv (Israel) und New York (USA)
1989 - 1992 Tätigkeit bei den Vereinten Nationen als Leiter des UN-Informationszentrums
1999 - 2002 Leiter der Deutschen Botschaft in Äthiopien
2002 - 2006 Leiter der Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen in Wien
2006 - 2009 Leiter der Deutschen Botschaft im Iran

Das Plakat

Plakat:Herbert Honsowitz

YouTube-Videos der Veranstaltung

Eintrag im Goldenen Buch

Ich bedanke mich für die zweite Einladung an das Goldberg-Gymnasium und die hervorragende Veranstaltung, die den Schülern hoffentlich so viel Nutzen und Vergnügen bereitet wie mir.
Herbert Honsowitz (24.2.2011)

Fotogalerie

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Pressestimmen

Böblinger Kreiszeitung: 26.02.2011 - von Werner Held

„Treibsandartiges Koalitionsgeflecht”

Für die Deutschen ist klar: Iran ist eine Diktatur, die die Menschenrechte mit Füßen tritt, nach der Atombombe strebt und Israel von der Landkarte tilgen will. Gern zitiert werden feindselig anmutende Sprüche von Präsident Mahmud Ahmadinedschad, den die "Bild"-Zeitung schon mal den "Irren von Teheran" nennt. Larissa Urbiks und Maike Meyer vom Seminarkurs "Goldberg aktuell" des Goldberg-Gymnasiums konfrontieren Herbert Honsowitz immer wieder mit diesen Charakterisierungen. Doch der 66-Jährige wehrt ab: "Dieses Bild ist sehr einseitig." Anderthalb Stunden lang bemüht sich der einstige Iran-Botschafter, es zurechtzurücken. Mehrfach entschuldigt er sich: "Ich will das Regime in Teheran gewiss nicht weiß waschen."

Mahmud Ahmadinedschad schildert Honsowitz als "komplexe und chamäleonhafte Persönlichkeit". Er sei linkisch im Auftreten, habe Probleme, auf Fremde zuzugehen. Zur Gesprächskultur der Iraner gehöre das Attackieren des Gegenübers. "Ahmadinedschad tut das besonders gern." Doch sei er nicht der Scharfmacher, wie ihn die Öffentlichkeit im Westen zu kennen glaubt. Der Präsident, sagt der Ex-Botschafter, sei beispielsweise derjenige in der iranischen Führung, der sich für eine Entkrampfung des Verhältnisses zu den USA einsetze. Ahmadinedschad widersetze sich auch Bestrebungen in der Führungsriege, die Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan, die seit 30 Jahren im Iran leben, aus dem Land zu werfen.

"Wie ist denn die Macht im Iran verteilt?", wollen die Interviewerinnen wissen. "Es hat schon leichtere Fragen", entgegnet der Diplomat. Er bezeichnet die Islamische Republik als "System sui generis", dessen "treibsandartiges Koalitionsgeflecht" schwer zu durchschauen sei. Außer dem Präsidenten und seinem Apparat mischen der Revolutionsrat, der Oberste Rechtsgelehrte Ali Chamenei, die Revolutionsgarden und die Spitzen der Wirtschaft mit.

Herbert Honsowitz nimmt Ahmadinedschad gegen den Vorwurf, er sei Antisemit, in Schutz. Den Satz, dass Israel von der Landkarte getilgt werden müsse, mit dem er oft zitiert wird, habe er so nie gesagt. "Dieses Besatzerregime muss von den Seiten der Geschichte verschwinden", laute die wörtliche Übersetzung von Ahmadinedschads Äußerung, mit der er Israel zur Beendigung der Besetzung Ostjerusalems aufgefordert habe. Honsowitz räumt aber ein, dass der Präsident mit dem "Reizwert dieser Aussage" spiele. Er habe keine Hinweise auf wirklichen Antisemitismus im Iran feststellen können, schiebt Honsowitz nach. Im Iran würden bis heute 25000 Juden "in Frieden und in ihrer Welt" leben; sie könnten unbehelligt nach Israel und wieder zurück reisen.

Heer von gebildeten Frauen bedroht die Islamische Republik

Der Diplomat sieht in der iranischen Führung auch keinerlei Bereitschaft, sich tatsächlich in den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern einzumischen. Wenn das Thema regelmäßig in der internationalen Politik aufflamme, nütze das beiden Seiten: Israel lenke mit dem Popanz Iran von seiner Rolle im Palästina-Konflikt ab. Und der Iran kitte mit markigen Sprüchen über Israel sei eigenes Gesellschaftssystem. "Die Iraner sind noch ein gutes Stück von der Atombombe entfernt", versucht Herbert Honsowitz auch eine andere Sorge zu zerstreuen. Und wenn sie sie tatsächlich herstellen könnten, fehle ihnen ein Trägersystem, um sie abzufeuern.

Maike Meyer und Larissa Urbiks blenden ein Bild von einer Frau mit Ganzkörperverhüllung ein. "Das ist keine Perserin. So kleiden sich nur ethnische Araberinnen im Süden des Landes", hält Honsowitz sofort dagegen. Frauen müssten jedoch in der Öffentlichkeit Kopftuch oder Tschador tragen. Angesichts der massiven Benachteiligung der Frauen im Erziehungs-, Scheidungs- oder Arbeitsrecht hält er die Kopftuch-Frage aber für ein "Luxusproblem aus westlicher Optik". Die Frauenquote an den iranischen Universitäten sei höher als die an den deutschen, lenkt Honsowitz auf einen anderen Aspekt der Frauenpolitik. "Das ist die größte Leistung der islamischen Revolution", urteilt er. "Im Schah-Regime hätten die Mullahs das nicht zugelassen." In dieser Entwicklung sieht Honsowitz Sprengstoff: Die Islamische Republik werde es nicht aushalten, wenn diese Frau ihre Ansprüche auf Stellen einfordern, die ihrem Bildungsniveau entsprechen.

Herbert Honsowitz kennt den Iran seit über 30 Jahren. Schon während der islamischen Revolution war er Presseattaché an der Botschaft in Teheran. "Es ist ein wunderbares Reiseland voller Kultur, Sehenswürdigkeiten und Reichtümer", gerät er am Ende des Gesprächs ins Schwärmen, schiebt aber nach: "Aber auch mit Unzulänglichkeiten und Grausamkeiten, ein Land, in dem ein System, das man nicht goutieren kann, das andere ablöst." Als ihn Lehrer Michael Kuckenburg schon verabschiedet hat, meldet sich der Diplomat noch einmal zu Wort: "Es ist schwer nachzuvollziehen, was ich gesagt habe. Ich wünsche dem Iran eine Entwicklung zu einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft."


Sindelfinger Zeitung

Frauenrechte sind der Sprengstoff

Sindelfingen: Ex-Botschafter Herbert Honsowitz spricht auf dem Goldberg über das iranische Regime

Wirre Machtverhältnisse, Provokationen und Unterdrückung: Herbert Honsowitz war drei Jahre deutscher Botschafter im Iran. Nun sprach er in der Aula des Goldberg-Gymnasiums über die Strategie des Staates und dessen Feindbild.

„Es ist eigentlich unmöglich, sich von dem Land Iran ein umfassendes Bild zu verschaffen. Selbst die Iraner haben große Schwierigkeiten, sich zu orientieren“, sagt Herbert Honsowitz, der von 2006 bis 2009 die deutsche Botschaft in Teheran geleitet hat. Das Bild, das die westliche Welt seit einigen Jahren von dem islamischen Staat habe, sei nicht die Realität: „Ich will nicht als Weißwascher erscheinen, aber die Sichtweise ist sehr einseitig.“

Den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad beschreibt er als linkisch und chamäleonhaft. Ein Irrer, wie ihn ein deutsches Boulevardblatt nennt, sei er nicht. Jedoch gelinge es kaum, mit ihm sowie anderen Machtträgern ein sachlich fundiertes Gespräch zu führen: „Die Gesprächskultur besteht eher daraus, andere zu attackieren und Vorwürfe zu machen. So wird der Gesprächspartner in die Defensive gedrängt.“

Wer im Iran die Zügel in der Hand hat, sei eine der schwierigsten Fragen überhaupt. „Es gibt auf der Welt kaum ein ähnliches System. Die Verfassung beinhaltet einen Wirrwarr von Gremien, die sich teilweise gegenseitig blockieren können“, sagt Honsowitz. Je nach Thema liegen die Zuständigkeiten anders: „Geistlicher Führer, Präsident, Wächterrat, Parlament, Mullahs. Das alles befindet sich in einem sehr komplexen, ständig wechselnden Machtgefüge.“ Beispielsweise bei der Nuklearfrage entscheide ein Kreis von 15 Personen hinter verschlossenen Türen: „Keiner weiß, was diskutiert wird und wer welche Linie verfolgt.“

Die Protestwelle in arabischen Ländern hat auch in Teheran wieder Demonstranten auf die Straße gelockt. Der Ex-Botschafter sieht jedoch wenig Chancen: „Der Iran ist kein arabisches Land. Die Religion ist eine andere. Es sind Schiiten, keine Sunniten. Das Regime im Iran basiert stark auf dem Religiösen.“ Dies sei die Basis der Herrschaft: „Es gibt keine Herrscherfamilie, sondern ein System, das tief in die Gesellschaft reicht. Darum sind die Erfolgsaussichten weit schlechter als sie es in Ägypten waren.“

Die direkten Konflikte mit Israel und der internationale Streit um die Nuklearfrage seien Teil der Strategie: „Das ist der Kit, um innere Spannungen zu überstehen. Die Differenzen werden so übertüncht und ein innerer Patriotismus geschürt.“ Sprengstoff für das System sieht der Ex-Botschafter bei den Themen Frauen und Bildung: „60 Prozent der Studenten sind Frauen.“ Das Kopftuch sei für sie eher ein Luxusproblem. Erziehungs-, Arbeits-, und Scheidungsrechte sind das, was die jungen Iranerinnen umtreibt. „Wenn sie mit dem Studium fertig sind, werden sie Ansprüche stellen, die das Regime unter Druck setzen werden.“

Am Donnerstag, 3. März, verhört der Seminarkurs „Goldberg Aktuell“ die Landtagskandidaten aus dem Wahlkreis fünf ab 9.30 Uhr, jeweils eine halbe Stunde lang, in der Aula des Goldberg-Gymnasiums.

Dr. Harald Braun Dr. Helmut Ranacher Dr. Herbert Honsowitz
Berthold Huber Hans-Werner Busch Andreas von Buelow
Goldberg aktuell-Logo
Klaus Pflieger Clemens Binninger Dr. Joachim Walter
Daoud Nassar Heinz Fromm Uwe Hück
Jürgen Rose Dr. Dieter Hundt Berthold Huber
Alexander Smoltczyk Beate Bube Hartmut von Hentig
Dr. Rüdiger Grube Boris Palmer Martin Schulz
Rudolf Dreßler Hermann Scheer Peter Bofinger
Oswald Metzger Jens Lehmann Rudolf Bosch
Volker Schebesta Mordechai Ciechanower Wolfgang Welsch
Marianne Birthler Sylvia Kotting-Uhl Hans Joseph Zimmer
Cacau Herbert Honsowitz Gabriele Warminski-Leitheußer
Dr. Volker Kefer Winfried Hermann Winfried Kretschmann

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