Streitgespräch zwischen Rudolf Bosch und Volker Schebesta


Schulsystem: Aller guten Dinge ...?

Am 4. Mai 2010 waren Rudolf Bosch und Volker Schebesta bei uns zu Gast am Goldberg-Gymnasium und diskutierten in einem Streitgespräch über das Schulsystem. Diese beiden Gäste erhielten von unserem Seminarkurs die Einladung zu Goldberg Aktuell, weil wir der Meinung waren, dass beide sehr viel Fachkompetenz im Bereich des Bildungssytems haben. Volker Schebesta als CDU-Politiker favorisierte das 3-gliedrige Schulsystem und Rudolf Bosch fordert eine Schulreform.

Rudolf Bosch

Bild:Rudolf Bosch Bild:Volker Schebesta

Volker Schebesta

Rudolf Bosch wurde 1952 geboren und ist seit insgesamt dreißig Jahren im Schuldienst. Davon verbrachte er neun Jahre als Konrektor einer Grund- und Hauptschule, elf Jahre als Rektor einer Ganztagesschule. Seit vielen Jahren ist er Mitverfasser des Oberschwäbischen Apells für längeres gemeinsames Lernen in einer wohnortnahen Schule der Vielfalt. Außerdem ist er gegen die Bildungspolitik der Landesregierung mit dem dreigliedrigen Schulsystem und Werkrealschulen. Volker Schebesta wurde 1971 in Oberkirch geboren und ist seit seinem abgeschlossenen Rechtswissenschaftsstudium im Land Baden-Württemberg aktiv. Nach seinem Studium stieg er mit einem Referendariat am Landgericht in Offenburg ein. Von 1998 bis 2001 war er Parlamentarischer Berater der CDU-Landtagsfraktion für Wirtschaftspolitik und Regierungsassessor im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zusätzlich war er persönlicher Referent von Minister Dr. Christoph Palmer. Seit 2001 ist er Mitglied im Landtag Baden-Württemberg und Vorsitzender der CDU in Südbaden.

Das Plakat

Plakat:Boschschebesta

Einträge im Goldenen Buch

Ein großes Kompliment an die Aktiven von Goldberg Aktuell - ein tolles Format, es hat unglaublich viel Freude gemacht, im vorgegebenen Rahmen konstruktiv zu diskutieren. Vielen Dank für die Einladung
Rudolf Bosch (13.04.2010)

Vielen Dank für die gute Vorbereitung des Abends, dadurch hat das Gespräch viel Spaß gemacht. Dem Seminarkurs 09/10 für das Abitur und darüber hinaus alles Gute!
Volker Schebesta (13.04.2010)

Fotogalerie

Bilder:boschschebesta Bilder:boschschebesta
Bilder:boschschebesta Bilder:boschschebesta
Bilder:boschschebesta Bilder:boschschebesta
Bilder:boschschebesta Bilder:boschschebesta
Bilder:boschschebesta Bilder:boschschebesta

Pressestimmen

Böblinger Kreiszeitung: 6.05.2010 von Werner Held

Sind auch im Schulsystem aller guten Dinge drei? Der Seminarkurs "Goldberg aktuell" des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen ist dieser Frage nachgegangen. In einem Streitgespräch, geleitet von den Schülern Stefanie Schray und Oliver Weth, verteidigte Volker Schebesta, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, die Trennung der Schüler ab der fünften Klasse in Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler (künftig auch Werkrealschüler). Rudolf Bosch, Leiter der Kuppelnau-Hauptschule in Ravensburg, stellt diese Selektion in Frage und fordert, Kinder länger gemeinsam lernen zu lassen.

Rudolf Bosch ist als "oberschwäbischer Schulrebell" bekannt geworden. Er war Wortführer jener 107 Schulleiter aus seiner Region, die in einem offenen Brief an den damaligen Kultusminister Helmut Rau die Dreigliedrigkeit des Schulsystems in Baden-Württemberg in Frage stellten. "Die Hauptschule ist in der Hierarchie ganz unten eingeordnet", sagt er. Wer dort lande, erhalte das Signal: Zu mehr hat's nicht gereicht. "Diesen Schülern wird eine anregende Lernumgebung mit Spitzenleistungen und Zugpferden vorenthalten", klagt Bosch. Deshalb würden Eltern ihre Kinder schon in der Grundschule unter Leistungsdruck setzen, damit ihnen das Drama eines Hauptschulbesuchs erspart bleibe.

"Es ist falsch, den Eltern den Eindruck zu vermitteln, die Bildungskarriere ihrer Kinder sei in der Hauptschule zu Ende", hält der CDU-Bildungspolitiker Volker Schebesta dagegen. Er verweist auf die Durchlässigkeit Bildungssystems getreu dem Motto: "Kein Abschluss ohne Anschluss!" "50 Prozent der Hochschulzugangsberechtigungen werden nicht in allgemeinbildenden Gymnasien, sondern auf anderen Wegen erworben", meldet er stolz. Dreigliedrigkeit, gepaart mit Durchlässigkeit, preist Schebesta als eine Stärke des Schulsystems.

Um mehr Kinder zu höherwertigen Schulabschlüssen zu führen, habe das Land die Werkrealschulen eingeführt, sagt Volker Schebesta. "Sie blasen bei vielen Eltern den Eindruck weg, dass sie nur mit dem Fernglas einen mittleren Bildungsabschluss für ihre Kinder erahnen könnten." Werkrealschulen würden Schülern und Eltern eine neue Perspektive geben. Rudolf Bosch hält die Einführung der Werkrealschulen für eine Katastrophe. Er tut sie als "groß angelegtes Schulschließungsprogramm" ab, das einen "immensen Spaltpilz in Kollegien, Schulen und Kommunen" trage. Die Folge sei eine "Entschulung der ländlichen Räume". Bosch kritisiert, dass sich an der Hürde nach der neunten Klasse per Notendurchschnitt entscheide, wer zum zehnten Werkrealschuljahr zugelassen werde. Auch die Verzahnung von Werkreal- und Berufsschule hält er für einen Konstruktionsfehler, dem die bereits bestehenden Praxiszüge an den Hauptschulen geopfert würden. "Hauptschulen sind auch schon vor der Einführung der Werkrealschulen geschlossen worden",weist Volker Schebesta auf den Rückgang der Schülerzahl hin. "Warten wir ab, wie sich die 525 neuen Werkrealschulen im Land entwickeln!", rät er.

Als Ideal propagiert Rudolf Bosch eine "Schule der Vielfalt", in der Kinder bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. "Dass es dreigeteilte Begabungen gibt", kommt der Schulleiter auf den Ausgangspunkt des Streitgesprächs zurück, "ist wissenschaftlich nicht begründet." Die "ideale Schule" müsse eine Unterrichtsqualität und -kultur zulassen, "die den einzelnen Schüler wertschätzt und auf ihn eingeht". Sie müsse wohnortnah sein. "Die ganze Gemeinde muss an ihr teilnehmen." Statt Faktenwissen, das nach Prüfungen meist vergessen werde, fordert er Menschenbildung, die Vermittlung sozialer Kompetenzen und die Vorbereitung darauf, dass mit dem Schulbesuch das Lernen in der heutigen Gesellschaft nicht zu Ende sei. Was Bosch zur Weiterentwicklung des Schulunterrichts fordert, "ist keine Frage des Schulsystems", entgegnet CDU-Politiker Schebesta. Das sei eine Frage der Unterrichtsentwicklung und Evaluation, der Lehrerbildung und der Bildungspläne. "Ich finde ja nicht, dass es in unseren Schulen gar nichts zu tun gäbe", sagt Schebesta und fügt Sprach- und Leseförderung für Kinder aus Migranten- und bildungsfernen Familien hinzu.

"Wenn wir über Schulpolitik reden", wünscht sich Volker Schebesta, "sollte das so sein, dass es der Akzeptanz von Schule und einzelner Schularten keinen Abbruch tut." Auch wenn er ganz anderer Ansicht als sein Gesprächspartner ist, hat Rudolf Bosch am Ende noch ein Lob für Volker Schebesta parat: "Sie sind der erste CDU-Politiker, der sich in den letzten drei Jahren nicht geweigert hat, mit mir auf einer Bühne zu stehen."

Dr. Harald Braun Dr. Helmut Ranacher Dr. Herbert Honsowitz
Berthold Huber Hans-Werner Busch Andreas von Buelow
Goldberg aktuell-Logo
Klaus Pflieger Clemens Binninger Dr. Joachim Walter
Daoud Nassar Heinz Fromm Uwe Hück
Jürgen Rose Dr. Dieter Hundt Berthold Huber
Alexander Smoltczyk Beate Bube Hartmut von Hentig
Dr. Rüdiger Grube Boris Palmer Martin Schulz
Rudolf Dreßler Hermann Scheer Peter Bofinger
Oswald Metzger Jens Lehmann Rudolf Bosch
Volker Schebesta Mordechai Ciechanower Wolfgang Welsch
Marianne Birthler Sylvia Kotting-Uhl Hans Joseph Zimmer
Cacau Herbert Honsowitz Gabriele Warminski-Leitheußer
Dr. Volker Kefer Winfried Hermann Winfried Kretschmann

Wir danken herzlich für die Unterstützung bei unseren Plakaten!