Streitgespräch zwischen Oswald Metzger und Peter Bofinger


Ein Herz für Hartz IV?

Oswald Metzger

Bild:Oswald Metzger Bild:Peter Bofinger

Peter Bofinger

Geboren am 19. Dezember 1954 in Grabs in der Schweiz machte Oswald Metzger 1975 das Abitur in Ravensburg. Er hat sein Studium der Rechtswissenschaft 1982 abgebrochen. Heute ist Oswald Metzger verheiratet und wohnt in Bad Schussenried. Von 1974 bis 1979 war er Mitglied in der SPD. Ab 1987 bei den Grünen. Von 1994 bis 2002 war er Mitglied des Deutschen Bundestages und Obmann seiner Fraktion im Finanzausschuss. 2006 wurde er in den baden-württembergischen Landtag gewählt. 2007 trat er aus, da es zunehmende Differenzen zwischen ihm und seiner Partei gab. So sagte er auch, dass viele Sozialhilfeempfänger ihren Lebenssinn darin sähen, „Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen” (Stern-Interview von 20. November 2007). 2008 tritt Oswald Metzger schließlich in die CDU ein, in der bis heute ist. Peter Bofinger wurde am 18. September 1954 in Pforzheim geboren. 1973 angefangen mit einem Diplom-Volkswirts-Abschluss promovierte er 1984. Als Vertreter für einige Professuren ab 1990 übernahm Peter Bofinger im August 1992 eine ordentliche Professur an der Universität Würzburg. Im März 2004 wurde er auf Empfehlung der Gewerkschaften zum Wirtschaftsweisen berufen. Prof. Dr. Peter Bofinger gilt als der führende Vertreter der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik in Deutschland. Er zählt auch zu den wenigen Deutschen, die sich gegen die Kernforderung der Agenda 2010 und die Hartz - Reform ausgesprochen haben.

Das Plakat

Plakat:bofingermetzger

Einträge im Goldenen Buch

Es ist gut, dass es so engagierte Schülerinnen und Schüler gibt. Da kann man den Problemen der Demografie einigermaßen gelassen entgegensehen.
Peter Bofinger(23.03.2010)

Was für ein Streitgespräch! Toughe Moderation, knackige Präsentation - und ein aufgeschlossenes, interessiertes Publikum! Danke für die Einladung und Kompliment für ein traditionsreiches Veranstaltungsformat!
Oswald Metzger (23.03.2010)

YouTube-Videos der Veranstaltung

Fotogalerie

Bilder:bofingermetzger Bilder:bofingermetzger
Bilder:bofingermetzger Bilder:bofingermetzger
Bilder:bofingermetzger Bilder:bofingermetzger
Bilder:bofingermetzger Bilder:bofingermetzger
Bilder:bofingermetzger Bilder:bofingermetzger
Bilder:bofingermetzger Bilder:bofingermetzger

Pressestimmen

Sindelfinger/Böblinger Zeitung: 25.03.2010 von Bernd Heiden

Bissiger Metzger, fetziger Professor

Talkshows, Politmagazine und der Blätterwald drehen nach den Äußerungen von Außenminister Guido Westerwelle die Hartz-IV-Gesetze intensiv durch die Mangel. Nach dem Motto „Ein Herz für Hartz-IVler?“ ließen Goldberg-Schüler jetzt den Wirtschaftsweisen Peter Bofinger und Oswald Metzger aufeinander los.

Metzger, einstiger Wirtschaftsexperte, der Grünen, jetzt CDU-Mitglied und OB-Kandidat in Ravensburg, wollte nach Abarbeitung etlicher Themen in der Aula des Goldberg-Gymnasiums Bofinger schließlich beißen. Doch der Wirtschaftsweise ließ sich nicht. „Das hab ich nicht gesagt“, wiederholte der Wirtschaftsprofessor mehrfach litaneihaft auf Vorhalte und ließ Metzger damit auflaufen. „Herr Bofinger, halten sie die Goldberg-Schüler nicht für doof“, rief Metzger schließlich entnervt.

„Das ist doch viel spannender, sich mal zu fetzen“, gab sich Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, des sogenannten Rates der Fünf Wirtschaftsweisen streitlustig und bedauerte die Disziplinierung durch die beiden Moderatoren Larissa Grabbe und Maurice Trautner, die freilich nur das strenge Diskussionsprozedere exekutierten.

Beim Fetzen wollte Bofinger, einer der wenigen Ökonomen, die eine nachfrageorientierte Wirtschaftsphilosophie in Keynes-Nachfolge vertreten, freilich Genauigkeit. „Ich hab gesagt, wir haben eine gute Sparquote“, widersprach er Metzgers Unterstellung, er – Bofinger – würde das deutsche Sparen kritisieren. Was er fordere, sei eine Umschichtung von Geld- in Sachvermögen.

Schwammiges Feld

Da beackerte das Duo freilich längst das schwammige Feld von Wirtschafts- und Steuerpolitik in globalen Krisenzeiten. Gemäß dem „Herz für Hartzer“-Motto war es deutlich griffiger losgegangen. „Sind alle Hartz-IV-Empfänger Faulenzer?“ fragte zum Auftakt Larissa Grabbe Oswald Metzger, der mit einem „natürlich nicht“ einstieg.

Metzger kritisiert an Hartz IV insbesondere, wie sich die Gewichte verschieben zuungunsten des Arbeitenden, wenn er zwei oder mehr Kinder hat. Denn eine Hartz-IV-Familie bekommt 60 – 80 Prozent des Regelsatzes für jedes Kind. Für Arbeitnehmer mit Kindern lohne sich da schnell eher ein Transfereinkommen.

Mehr Kindergeld für Leute mit geringem Einkommen lautet ein Vorschlag Bofingers, um Arbeit statt Hartz IV reizvoller zu machen. Zudem will er, dass geringe Einkommen bis 1000 Euro brutto von den Sozialabgaben befreit werden.

Metzgers Reformvorschläge lauten anders. Hartz-IV-Bezieher sollten mehr anrechnungsfrei dazu verdienen können. Bofinger gibt kontra: Hinzuverdienstmöglichkeiten sollten eingeschränkt werden. Mit ALG II und 160 Euro, die vom 400-Euro-Job verbleiben, könne man sich schon ganz gut einrichten. „Das ist das Problem: Einnisten mit Hartz IV und 400-Euro-Job.“ Im Übrigen ist er gegen eine Arbeitspflicht für Arbeitslose. Ein-Euro-Jobs verdrängten reguläre Jobs.

Metzger für eine Arbeitspflicht

Oswald Metzger begrüßt dagegen eine Arbeitspflicht, die angeblich 25 Milliarden Euro sparen könnte. Statt Erhöhung individueller Transfers wie Kindergeld will er das Geld für die Stärkung der sozialen Infrastruktur wie Betreuungseinrichtungen für Kleinkinder verwenden.

Gegen Mindestlöhne spricht Metzger sich aus. Da greife die Politik in die Tarifgestaltung ein. Das wäre die Beerdigung der Arbeitnehmerbewegung. Auch würde durch Mindestlöhne Schwarzarbeit gezüchtet, weil Kunden die höheren Preise nicht zahlten, die Friseurin dann aber eben schwarz frisiere. Professor Bofinger plädiert dagegen für Mindestlöhne. Unternehmerischer Wettbewerb dürfe nicht darauf zielen, dass der eine den anderen aussteche im Lohnsenken.

„Das ist für mich mit rationalen Kriterien nicht nachvollziehbar“, watscht Bofinger die FDP-Pläne ab, noch mal Steuern um 16 bis 19 Milliarden zu senken angesichts mittelfristiger Defizite von 70 Milliarden Euro.

Auch Oswald Metzger spricht angesichts von Gastro-Steuersenkungen von Geschenken der FDP an ihre Klientel. Steuersenkungen werde es nicht geben, prophezeit er. Im Gegenteil würden alle Staaten Steuern erhöhen, um ihre Haushalte zu konsolidieren, aber auch an die Ausgabenseite müsse man ran.

Gelbe Krawatten – nicht schlecht

Dann kam die lange „Hab ich nicht gesagt“-Phase. Zum Finale wurde wieder geredet, zuletzt beim Spiel Satzergänzung. „Wenn ich Guido Westerwelle in einer Sache zustimmen würde, dann ...“, legte Moderatorin Grabbe vor. „Können sie mir nicht eine einfachere Frage stellen?“, spielte Bofinger den Ratlosen, fand aber die Antwort eines Weisen: „Manchmal find ich gelbe Krawatten auch nicht schlecht.“

Dr. Harald Braun Dr. Helmut Ranacher Dr. Herbert Honsowitz
Berthold Huber Hans-Werner Busch Andreas von Buelow
Goldberg aktuell-Logo
Klaus Pflieger Clemens Binninger Dr. Joachim Walter
Daoud Nassar Heinz Fromm Uwe Hück
Jürgen Rose Dr. Dieter Hundt Berthold Huber
Alexander Smoltczyk Beate Bube Hartmut von Hentig
Dr. Rüdiger Grube Boris Palmer Martin Schulz
Rudolf Dreßler Hermann Scheer Peter Bofinger
Oswald Metzger Jens Lehmann Rudolf Bosch
Volker Schebesta Mordechai Ciechanower Wolfgang Welsch
Marianne Birthler Sylvia Kotting-Uhl Hans Joseph Zimmer
Cacau Herbert Honsowitz Gabriele Warminski-Leitheußer
Dr. Volker Kefer Winfried Hermann Winfried Kretschmann

Wir danken herzlich für die Unterstützung bei unseren Plakaten!